1515 bestellte die Annabruderschaft von Feldkirch bei dem in Feldkirch geborenen Passauer Hofmaler Wolf Huber diesen Altar. Die Bestellurkunde, die im Stadtarchiv erhalten ist, gibt über das geplante Aussehen Auskunft.
Dieser Altar stand ursprünglich in der Seitenkapelle, die damals Annenkapelle hieß. Er hatte gegen die Bänke zu eine Schnitzseite, gegen den Heilig-Kreuzaltar zu, der damals an der Stelle des heutigen Marienaltares stand, hatte er die gemalte Seite, die wir jetzt noch als Annenaltar bewundern können. Während von der Schnitzseite bis auf das Sippenrelief und den Bildrahmen des Beweinungsbildes alles verloren ging, sind die Bildtafeln erhalten. Während das Haupt- und das Predellabild jedoch immer im Dom verblieben, gingen die Seitenflügel 1822 verloren. 1953 wurden sie vom damaligen Landeskonservator Erwin Heinzle im Kloster Riedenburg wieder entdeckt.
Es entstand ein spannender Verkaufswettbewerb, der damit endete, dass Herr Emil Bührle aus Zürich die kostbaren Bildtafeln kaufte und Österreich als Dauerleihgabe überließ. Seine Tochter Frau Hortense Anda-Bührle und ihr Bruder Dr. Dietrich Bührle entschlossen sich im Jahre 2005, diese Bildtafeln als Dauerleihgabe dem Dom in Feldkirch zu übergeben, damit der Feldkircher Annenaltar wieder zusammengeführt werden konnte.
Die Gedächtnisstiftung Peter Kaiser unter Vorsitz ihres Präsidenten Prof. Dr. Dr. Herbert Batliner aus Vaduz ermöglichte die Restaurierung des Altares.
Das große Beweinungsbild im Zentrum des Altares ist von Wolf Huber signiert und 1521 datiert. Er malte die Kreuzabnahme in die Landschaft von Feldkirch, um anzudeuten, dass das, was damals in Jerusalem geschah, auch hier und heute geschieht. Neben den biblischen Figuren steht ein unbekannter Betrachter, der jeden Betrachtenden in das Geschehene miteinbezieht. Die leuchtenden Gewänder in den dem Maler eigenen Farben orange-gelb, grün, türkis und krapprot stehen in drastischem Kontrast zu der Düsternis der Landschaft, die den Ernst des Geschehens widerspiegelt. Das Kreuz durchbricht die verschiedenen Horizonte und ragt über diese hinaus. Es weist einem leuchtenden Lichtweg der Erlösung die Richtung. Der originale geschnitzte Rahmen birgt, in Weinranken verschlungen, elf Figürchen der Vorfahren Christi.
Auf den Seitenflügeln rechts oben ist die Geburt Christi, unten der Besuch der Weisen, links oben die Beschneidung und unten die Darbringung im Tempel dargestellt. Wolf Huber malt die Geburt Jesu in eine Ruinenkirche. Er will auf dem Höhepunkt der Reformation wohl sagen: Auch wenn noch so viel zusammenbricht, das Wichtigste ist die immer neue Gottesgeburt in unserer Mitte. Das Kind legt er auf einen Baumstrunk, der wie die Wurzel Jesse wieder ausschlagen soll.
Auf der Rückseite der Flügel, die in der geschlossenen Zeit des Advents und der Fastenzeit zu sehen sind, ist die Darstellung der Annengeschichte auf dem Hintergrund des apokryphen Jakobsevangeliums dargestellt: Rechts oben die Abweisung des Opfers Joachims im Tempel, unten sein Treffen mit Anna unter der goldenen Pforte, links oben seine Vision als Schafhirte in der Wüste und unten die Geburt Mariens. Auf zwei dieser Bilder findet sich die Signatur Wolf Hubers.
Im Gesprenge bildet eine Figur der Hl. Anna Selbdritt den Mittelpunkt. Sie ist mit dem Jahr 1494 datiert. Die Schreinfiguren stellen Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten dar.
In der Predella sehen wir das Schweißtuch Christi, von zwei schwebenden Engeln gehalten. Ein Stich von Albrecht Dürer diente dieser Bildkomposition für Wolf Huber als Vorlage.
Die beiden neugotischen Seitenaltarschreine wurden von J. Bertsch in Dormettingen 1878 gefertigt. Die Entwürfe dazu machte Domvikar Georg Dengler in Regensburg, der auch den Hochaltar konzipierte.
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